Was passiert, wenn der Strom über mehrere Tage ausfällt?

Pforzheim (pm) Ausnahmezustand in der Pforzheimer Fakultät für Gestaltung! „Black Out“ in Pforzheim stand in der vergangenen Woche auf dem Programm, das teilt nun die Hochschule Pforzheim mit.

Die diesjährige Aufgabenstellung im Stegreifprojekt der Fakultät stellte der Designer Steffen Müller vom Esslinger Büro „Teams Design“. 90 Teilnehmer setzten sich zu Beginn des Wintersemesters 2014/15 mit der Frage auseinander, was in unserer Stadt geschieht, wenn die Stromversorgung über mehrere Tage ausfällt? Welche neuen Lösungen benötigt der Mensch in solch einer Situation? Die Ergebnisse des zweitägigen Workshops wurden am Donnerstag, 2. Oktober 2014, präsentiert.

Mit dem Stehgreifprojekt startet die Fakultät für Gestaltung der Hochschule Pforzheim traditionell in das Semester. In kurzer Zeit versetzen sich die Studierenden in eine komplett andere Situation, analysieren, gehen verschiedenen Lösungsansätzen nach und präsentieren am Ende des Projekts ihre Ideen dem Auftraggeber. „Wir können uns heute nicht mehr vorstellen, welche Auswirkungen ein Stromausfall hat“, erklärte Steffen Müller. Der Designer, der selbst in Pforzheim studierte, lieferte den Teilnehmern die Fakten zu einem totalen Stromausfall: In Krankenhäusern wird beispielsweise das Versorgungssystem für vier Tage aufrechterhalten, bevor es endgültig zusammenbricht. Anders sieht es im Alltag aus. Ohne Strom funktionieren die Verkehrsanlagen oder Geldautomaten nicht, Supermärkte bleiben geschlossen und das Trinkwasser wird sehr schnell knapp, da die Wasserpumpen mit Elektrizität betrieben werden.

Die Aufgabe an die Studierenden: Wie können solche Extremsituationen gelöst werden? Für Steffen Müller war es dabei wichtig, dass die Studierenden möglichst einfache Lösungsansätze wählen – ohne komplizierte Technik. Die vorgestellten Ideen bezogen sich dabei auf alle Lebensbereiche – von der Trinkwasser-Aufbereitung über Kommunikationssysteme bis zu tragbaren Stromspeichern.

Dem Verkehrschaos beugt die Gruppe von Wolfgang Meyer mit dem sogenannten „Hedgehog“ vor. Der aufblasbare Kreisverkehr wird eingesetzt, wenn die Ampeln ausfallen. Ein zwei Meter großer Kunststoffring bläst sich automatisch auf und ist mit Verkehrsrichtungs-Pfeilen bedruckt „Nicht umsonst werden viele Kreuzungen zu Kreisverkehren umgewandelt“, berichtet Wolfgang Meyer, der im vierten Semester studiert. „Sie ermöglichen einen regelmäßigen Verkehrsfluss. Unser aufblasbares Modell ist auch bei Unfällen oder Baustellen einsetzbar.“

Zwei andere Teams arbeiten mit der vorhandenen Infrastrukturen: In jeder Stadt sind die Bushaltestellen gleichmäßig verteilt und können deshalb im Katastrophenfall effektiv genutzt werden. Sie dienen als Sammelpunkte und ihre mit Solarkraft betriebenen Säulen können als Lichtquelle oder als Hinweistafeln eingesetzt werden.

„Freie Projekte sind wertvoll für unsere Arbeit“, erklärt Designer Vincent Hasenmayer ebenfalls von der Esslinger Agentur. Die Studierenden arbeiten naturgemäß nicht auf Kundenaufforderung, sind nicht im Alltagsgeschäft eingebunden. „Diese Kreativität gibt uns eigene Impulse für unsere Arbeit“, betone die beiden Designer nach dem Stehgreifprojekt. „Über das Ziel hinausschießen ist oft der richtige Weg. Designer sind nicht nur Umsetzer, sondern auch Visionäre.“