KIT-Forscher bilanziert Naturkatastrophen: Mehr als acht Millionen Todesopfer

Karlsruhe (pm/amf) Naturkatastrophen haben seit Beginn des 20. Jahrhunderts mehr als acht Millionen Todesopfer gefordert und mehr als sieben Billionen US-Dollar wirtschaftlichen Schaden verursacht. Diese Bilanz hat der Geophysiker James Daniell vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) erstellt. Für fast die Hälfte aller Todesopfer waren Flutkatastrophen verantwortlich. 

Für die „CATDAT“ hat James Daniell bislang mehr als 35.000 Naturkatastrophen weltweit ausgewertet. Die Datenbank greift auf sozioökonomische Indikatoren zurück und bildet die Grundlage für ein Schadensmodell, das Regierungen und Hilfsorganisationen beim Abschätzen des Ausmaßes einer Katastrophe und dem Katastrophenmanagement unterstützt. Die Zahl der Toten durch Erdbeben zwischen 1900 und 2015 liegt nach Daniells Daten bei rund 2,32 Millionen. Die meisten von ihnen – 59 Prozent – starben durch zerstörte Backsteingebäude, 28 Prozent durch sekundäre Effekte wie Tsunamis und Erdrutsche. Durch Vulkanausbrüche starben im gleichen Zeitraum rund 98.000 Menschen. „Die absolute Zahl der jährlichen Toten durch Naturkatastrophen ist über die Jahre hinweg leicht gesunken – in Relation zum Bevölkerungswachstum sogar deutlich. Derzeit liegt sie bei etwa 50.000“, sagt Daniell. „Auf den gesamten Zeitraum gesehen, also zwischen 1900 und 2015, starb die Hälfte von ihnen durch Flutkatastrophen. Dank besserer Vorbereitung und Analysen nimmt dieser Anteil aber ab. Seit 1960 haben Erdbeben mit 40 Prozent den größten Anteil“, sagt der Geophysiker. Verglichen mit der weltweiten Sterberate sei die Rate der Todesopfer durch Naturkatastrophen relativ konstant geblieben. Mit jeweils mehr als 100.000 Toten gehören der Tsunami 2004 im Indischen Ozean (ca. 230.000) und der Zyklon Nargis 2008 (ca. 140.000) in Myanmar zu den schwersten Katastrophen der jüngeren Vergangenheit. Das Ereignis mit den bislang meisten Todesopfern ist das Hochwasser 1931 in China mit 2,5  Millionen Toten.

Der wirtschaftliche Gesamtschaden aller seit Beginn des 20. Jahrhunderts aufgetretenen Naturkatastrophen beläuft sich nach Berechnungen Daniells auf zwischen 6,5 und 14 Billionen US-Dollar. Die von Daniell ermittelten sieben Billionen basieren auf der Anpassung über einen Preisindex des Bruttoinlandsprodukts. „Oft ist es unmöglich, eine genauere Zahl für ein Ereignis zu erhalten, da Schäden sehr schwierig zu schätzen sind, auch Todeszahlen werden häufig zunächst häufig überschätzt, zum Beispiel beim Erdbeben in Haiti 2010, oder unterschätzt, wie beim Beben in Usbekistan 1966“, sagt er und nennt deshalb in seiner Forschung Ober- und Untergrenzen. Im Hinblick auf den größten wirtschaftlichen Schaden belegt das Jahr 2011 mit schweren Erdbeben in Japan und Neuseeland den Spitzenplatz. „Mit 335 Milliarden Dollar Direktschäden ist das Tohoku-Erdbeben mit Tsunami und Nuklearunfall am 11. März 2011 bislang die teuerste Naturkatastrophe überhaupt“, so James Daniell. Bei dem Beben mit nachfolgendem Tsunami starben rund 18.500 Menschen, 450.000 verloren ihr Zuhause.