Deutsche Privathaushalte haben immer weniger Kaufkraft

Karlsruhe (cm) Die realen Nettovermögen der Privathaushalte in Deutschland befinden sich seit Jahren im Sinkflug. Unter Berücksichtigung der Inflation spricht das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin von einem Verlust von 15 Prozent.

Das Leben im Land der Niedrigzinsen ist geprägt von Höhen und Tiefen. Während Kreditnehmer jubeln, haben Anleger das Nachsehen. Sparen lohnt nicht mehr und dennoch tragen die Bundesbürger ihr Einkommen brav zur Bank. Und tatsächlich hatten die Deutschen 2013 durchschnittlich 500 Euro mehr auf dem Konto als zehn Jahre zuvor – ein äußert überschaubares Plus von 0,4 Prozent. Rechnet man die Inflation gegen, ist die Kaufkraft der Deutschen jedoch deutlich gesunken. Rund 20.000 Euro hat jeder Privathaushalt im Durchschnitt an realem Nettovermögen verloren. Zu diesem Ergebnis kommt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in einer Studie im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung, die sich auf Daten aus der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) des Statistischen Bundesamtes stützt. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch das Sozio-oekonomische Panel (SOEP). Trotz einer konstanten Sparquote von neun Prozent jährlich, ermittelte die repräsentative Wiederholungsbefragung, dass die realen Nettovermögen in den Jahren 2002 bis 2012 um rund 11 Prozent gesunken sind.

Ein Grund dafür ist das konservative Anlegeverhalten der Deutschen. „Viele Menschen investieren ihr Vermögen bevorzugt in risikoarme, dafür aber renditeschwache Anlagen wie Sparbücher, Girokonten, Bausparverträge oder Riesterrenten, die oftmals nicht einmal die Inflation ausgleichen“, erklärt Markus Grabka, neben Christian Westermeier einer der Mitautoren der DIW-Studie. Wer einen soliden Werterhalt seines Vermögens anstrebt, muss jedoch auch in Niedrigzinsphasen nicht zwangsläufig auf Risikoanlagen setzen. Sicherere und renditestarke Finanzprodukte finden deutsche Anleger zum Beispiel im europäischen Ausland. Angestoßen wurde der Auslandstrend auf dem Markt für Sparprodukte durch das Berliner Start-up Weltsparen. Ende 2013 hat sich das Unternehmen als Marktplatz für Festgeldangebote im Internet aufgestellt und seitdem rund 25.000 Kunden und ein Einlagenvolumen von 500 Millionen Euro an ausländische Banken vermittelt.

Aufgrund des Zinsgefälles in Europa profitieren deutsche Anleger im Ausland von deutlich höheren Renditen. Weniger sicher ist ihr Vermögen dadurch nicht. Denn solange das Sparvolumen nicht höher als 100.000 Euro ist, wird die Einlage gemäß EU-Richtlinien durch die jeweilige nationale Einlagensicherung geschützt.

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